Die Geschichte#re#der Saatzucht Gleisdorf
1948 - 1957
Am Beginn der Maiszüchtung auf dem Pachtgut des Schlosses Kornberg im Jahr 1948 stand die Ankurbelung der Produktion von Lebensmitteln und deren Verteilung an die notleidende Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg im Vordergrund.
Die damaligen Initiatoren, Kammeramtsdirektor Hofrat DI Heinrich Hornich, Leiter der Pflanzenbauabteilung der Landwirtschaftskammer, OLR DI Walter Czerwinka und der für die Maiszüchtung verantwortliche Direktor Ing. Fritz Mayerl, erkannten die Chancen für den Maisanbau und entschlossen sich zur Errichtung einer eigenen Saatzuchtanstalt in der Steiermark.
1968 - 1977
Neben dem Züchtungsschwerpunkt der Entwicklung von Maishybriden wurden die Kulturen Hirse, Sirk, Stangenbohnen, Tabak, Ackerbohnen und Ölkürbis in die züchterische Arbeit aufgenommen und ausgebaut. Nachdem die Ackerbohnensorte „Kornberger Kleinkörnige“ bereits im Jahr 1955 zugelassen wurde, erfolgte 1969 die Zulassung der Ölkürbissorte „Gleisdorfer Ölkürbis“.
Der Bedarf an Hybridmais-Saatgut für den österreichischen Markt lag damals bei ca. 4.000 Tonnen - 50 % davon stammten von Sorten aus Gleisdorf.
Für den internationalen Markt gab es die ersten Zulassungen von Gleisdorfer Sorten in Deutschland, Jugoslawien und Großbritannien.
1978 - 1987
Im Jahr 1984 wurde die Eigentümerstruktur der Saatzucht Gleisdorf neu aufgestellt. Die Genossenschaftsorganisation stieg als Mehrheitseigentümer in das Züchtungsunternehmen ein, das bis zu diesem Zeitpunkt im alleinigen Eigentum der Landwirtschaftskammer Steiermark stand.
Im Mittelpunkt des Zuchtprogramms stand die Entwicklung neuer, leistungsfähiger Gleisdorfer Sorten. Nachdem Herr Ing. Rath in den Ruhestand trat, übernahm Frau DI Johanna Winkler die Hauptverantwortung für Ölkürbis, Ackerbohne, Sojabohne und Spezialkulturen. Herr DI Johann Plienegger startete ein neues Maiszuchtprogramm, welches auf neuen, anerkannten Züchtungsmethoden aufgebaut wurde.
1988 - 1997
Als Ergebnis des erweiterten Ackerbohnen-Zuchtprogramms erfolgte 1993 die Zulassung der weißblühenden und tanninarmen Ackerbohnensorte Gloria. Diese und weitere Sorten wurden erfolgreich auf den Märkten in Österreich, Deutschland, Frankreich und Skandinavien verkauft. Ebenso erfolgreich waren die Maissorten Levanta, Monika und Musinia, die in den Jahren 1992 - 1997 zugelassen wurden.
Ein weiterer Schritt in der internationalen Züchtungszusammenarbeit erfolgte durch den Beitritt der Saatzucht Gleisdorf zur IG Pflanzenzucht mit Sitz in München. Die Saatzucht Gleisdorf kann als Gesellschaftsmitglied verstärkt Agenden der Sortenprüfung bei Getreide sowie die Vertretung der Sortenrechte für die Mitglieder der IG Pflanzenzucht in Österreich übernehmen.
2012 - 2014
In den Jahren 2012 - 2014 wurden am Standort Gleisdorf maßgebliche Investitionen vorgenommen. Insgesamt wurden über 1,8 Mio. Euro in die folgenden neuen Errichtungen investiert:
• Neues Kühllager für Zuchtmaterial und Basissaatgut 400 m2 (2.400 m3) für 700 Tonnen Lagerkapazität
• Eine multifunktionale Manipulationshalle für die Pflanzenzüchtung – 600 m2
• Büros, Vor- und Aufarbeitungsräume für die tägliche Organisation der Pflanzenzüchtung
• Neugestaltung des Eingangsbereichs inklusive eines Präsentationsraumes
• Leistungsfähige Container-Trocknungsanlage
• Saatgutreinigungsanlage für Zuchtmaterial, Basissaatgut und Experimentalsaatgut für einzelne Saatgutmengen von 50 - 1.000 kg
2022
Im Jahr 2022 erfolgte der Kauf der Züchtungs- und Verwaltungsgebäude der Landwirtschaftskammer Steiermark, was weitere Renovierungsarbeiten ermöglichte.
2025
Aktuell ist die Saatzucht Gleisdorf Marktführer in Zentraleuropa bei Ölkürbis, eines der letzten Züchterhäuser in Europa, die eine aktive Ackerbohnenzucht betreiben, sowie Zuchtanstalt für Sojabohnen in den Reifegruppen 0,00,000 und I für Österreich und den osteuropäischen Markt.
In der Maiszüchtung etablierte man ein gemeinsames Züchtungsprogramm mit DSP Delley AG aus der Westschweiz, um einen starken gemeinsamen Marktauftritt gewährleisten zu können.
Die Saatzucht Gleisdorf forscht gemeinsam mit renommierten Universitäten an neuen Züchtungstechnologien.